Die Kunst hat ihn zum Prinzip erhoben, für Kinder ist es er beliebtes Spiel: der Perspektivenwechsel. Es braucht schon eine gehörige Portion Mut, die eingefahrenen Muster (der Kommunikation, der Entscheidung, der Regeln, uvm.) zu hinterfragen und mit abgeänderten Perspektiven Neues auszuprobieren. „Wie kommt Neues auf die Welt?“ ist mehr denn je die zentrale Frage. Im Zeitalter des Digitalen, der vernetzten Strukturen und der Megakommunikation zwischen Maschinen ist es gerade zur Notwendigkeit geworden, den Standpunkt zu wechseln. Wie schaffen wir es dabei auf neue Fragen nicht reflexartig mit alten Antworten zu reagieren? Gewohnheiten schaffen zwar Sicherheit, aber auch Unbeweglichkeit – im Denken, wie im Handeln.

Wagen wir ein kleines Experiment: Wir „tun-so-als-ob“ und verfremden unseren Kontext. Aus einem Führungsmeeting mit dem Managementkreis wird eine Learning Journey durch eine Stadt, die es zu entdecken lohnt: BERLIN. Berlin gilt als die Selbstverwirklichungs-Metropole Europas schlechthin. Wie ein Magnet zieht sie Menschen aus der ganzen Welt an. Menschen die gestalten statt zu verwalten. Kunstschaffende, Wissenschaftler, Mediengestalter, Filmproduzenten, Investoren oder einfach nur Lebenskünstler. Für sie und mit Ihnen schafft Berlin den Schritt zwischen Imagination und Verwirklichung auf eine erstaunliche Weise. Und das seit Jahrzehnten.

In dieser Stadt finden Vorstellungen eine Form. Sie wird erlebt, es wird nicht nur geredet. Das kann man von dieser Stadt und in dieser Stadt lernen. Berlin erfindet sich jeden Tag neu. Berlin bringt so manches für nur einen Tag in Erscheinung, um am nächsten Tag schon wieder verschwunden zu sein. Deshalb Berlin. Deshalb auch Start-Ups. „Jungunternehmen“ mit einer Geschäftsidee, viel Enthusiasmus und einem Businessplan, der erstellt wurde, um wieder vergessen zu werden. Das erscheint jedem, der in einem „Old School“ Unternehmen sozialisiert wurde, etwas verrückt. Verrückt meint in diesem Kontext das Verrücken der räumlichen, zeitlichen, kognitiven, emotionalen und motivationalen Beschränkungen. Grenzüberschreitung der eingefahren und unbewussten Glaubenssysteme.

Die räumliche Perspektive zu wechseln bedeutet in diesem Fall rauszugehen und verschiedene Start-Up´s zu besuchen. In den Räumen der Jungunternehmen etwas von der Kultur, den Regeln (z. B. der Entscheidung) und der Art des Umgangs miteinander zu spüren. Vielleicht begegnet man auch dem „Gründergeist“ und bekommt eine leichte Ahnung von den Unterschieden zur eigenen Firma.

Ein Wechsel der zeitlichen Perspektive ist z. B. durch andere Arbeitsformen möglich. SCRUM (ein Entwicklungstool aus dem IT Bereich) beschleunigt die Entscheidungsvorgänge und bringt Manager ins Schwitzen. Warum SCRUM nicht einmal selbst durchleben und die „New School“ erleben? Was den Wechsel der kognitiven Perspektive betrifft, so geht es bei der Learning Journey um andere Wahrnehmungsmuster und Denkschemata. Abweichend von der sonstigen Erlebnisroutine darf man sich einlassen auf die Sichtweisen anderer Menschen und deren Managementstile, Arbeitsabläufe und Wertvorstellungen.

Einen ganz anderen Aspekt berührt die emotionale Perspektive. Sich in einer entspannten Stimmung mit Neuem auseinanderzusetzen, ein anderes Stimmungsmanagement im eigenen Empfinden zu spüren, sich selbst als Beginner zu fühlen – das ermöglicht neue Optionen. Optionen, die zu anderen Entscheidungen führen können.

Die motivationale Perspektive betrifft die unserem Denken und Handeln zugrunde gelegten Einstellungen und Wertsysteme, aus denen sich die Ziele menschlicher Aktivitäten ableiten lassen (vgl. Funke 2013). Sich selbst in seinen Überzeugungssystemen, Sichtweisen und Standpunkten zu flexibilisieren gleicht einer Art von YOGA. Vielleicht stellt man fest, dass man einer bestimmten Position nicht verpflichtet ist. Würde man seinen Bereich aus den Augen eines Start-Up Gründers betrachten, welche anderen Kontextmarkierungen würde man vornehmen?

Haben Sie den Mut zum Perspektivenwechsel! Die Führungskräfte des Managementkreises haben sich auf die Reise begeben. Sie sind den Einladungen der Start-Up Gründer und Mitarbeiter gefolgt. In den nächsten 12 Monaten wird man sehen, ob sich daraus für sie und das Unternehmen etwas Neues ergeben wird.

Aus meiner Sicht möchte ich Danke sagen an Stefanos, der immer wieder aus Athen in Berlin landet und mir seine Sicht der Stadt zur Verfügung gestellt hat. Sigrid für die tollen Locations und den Blick für das Wertvolle. Felix für die umsichtige Fahrweise durch die Straßen Berlins, seine technische Unterstützung und seine Begeisterungsfähigkeit. Und Joachim Funke (2013) für seine Gedanken zum Wechsel der Perspektiven (In: Fischer, Hans-Rudi 2013: Wie kommt Neues in die Welt? Phantasien, Intuition und der Ursprung von Kreativität, S.187-196).